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Trinität, Glaube und Wissen


Vorwort

Im November 2019 legte mir (E-E) Evgenij Kozlov in einem Gespräch eine Formel für die Trinität vor, deren Begrifflichkeit sich von der traditionellen Begrifflichkeit stark unterscheidet: an die Stelle von Vater, Sohn und Heiliger Geist treten Inspiration, Gedanke und Sinn.

Ich fand diese Zusammenstellung aufgrund ihrer starken freiheitlich-ethischen Komponente („Sinn“) interessant und versuchte, sie in einem Zusammenhang mit der christlichen Systematik zu bringen, soweit sie sich meinem Verständnis erschließt. Für dieses Verständnis ist die Bedeutung des Sohnes als Ich-bin ausschlaggebend, so wie ich sie in erster Linie in den Schriften Rudolf Steiners gefunden habe. Steiners Aussagen, die er Ergebnisse geisteswissenschaftlicher Forschungen nennt (welche im übrigen die Naturwissenschaften miteinbeziehen), wirken auf mich überzeugend wegen ihrer prinzipiellen Zugänglichkeit für das denkerische Verständnis, trotz oder gerade wegen ihrer hohen Komplexität.

Steiners Forschungsergebnisse werden jedoch allgemein als unwissenschaftlich abgelehnt mit dem Argument, dass die Voraussetzungen für seine geisteswissenschaftlichen Forschungen nicht gegeben seien. Dies brachte mich dazu, mir Rechenschaft darüber abzulegen, wie denn der Zugang zur Trinität, dem Grundpfeiler des Christentums, ohne Steiners Schriften gelingt, nämlich über die kirchliche Dogmatik – und fand, dass er nicht gelingt, jedenfalls nicht denkerisch. Das soll er nach dem Verständnis der katholischen Kirche aber auch nicht. Sie besteht auf der Trennung zwischen Glaube (Trinität) und Erkenntnis (Naturwissenschaften), um – in Kantscher Manier – den Glauben zu retten. Man kann das nachvollziehen, denn die moderne Physik findet zwar den Weg zur einem göttlichen Schaffen, aber nicht den Weg zur Trinität. Eine bemerkenswerte Aussage ist die des belgischen katholischen Priesters und Astrophysikers Georges Lemaître (1894–1966) aus dem Jahre 1933: For instance, the doctrine of the Trinity is much more abstruse than anything in relativity or quantum mechanics.

Kozlovs Formel für die Dreifaltigkeit oder Dreieinigkeit war somit der Auslöser für diesen Essay, wird aber in ihm nicht umfassend besprochen. Vielmehr geht es mir um das Verhältnis zwischen Glaube und Wissen in unserer Zeit, und zwar unter der Voraussetzung, dass man die Geisteswissenschaft und die Kunst außer acht lässt. Damit stelle ich weder Glaube noch Wissen in Frage. Ich stelle allerdings ihre prinzipielle Unvereinbarkeit in Frage, und zwar nach dem Grundsatz

Wir wollen erkennen, damit wir wissen, was wir glauben können, und nicht bloß glauben, was wir glauben sollen.

Hannelore Fobo, Dezember 2021.




 (E-E) Evgenij Kozlov Links: UUUPS, 2008 / 2021 Rechts: … на зеркалах стоят … / Standing on Mirrors 2010 / 2021 Druck auf Leinwand, übermalt, jeweils 210 x 150cm Aus dem Zyklus Bek XX / Jahrhundert XX

(E-E) Evgenij Kozlov
Links: UUUPS, 2008 / 2021
Rechts: … на зеркалах стоят … / Standing on Mirrors 2010 / 2021
Druck auf Leinwand, übermalt, jeweils 210 x 150cm
Aus dem Zyklus Bek XX / Jahrhundert XX




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Veröffentlicht 6. Dezember 2021