Russische Kunst 1990 Seite 1


Hannelore Fobo über russische Kunst und anderes. Die Fragen stellte Allen Tager.
Der Text wurde in russischer Sprache 2010 gekürzt veröffentlicht im Allen Tagers Buch «В будущее возьмут не всех»


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St. Petersburg, Fontanka 145 In der dritten Etage das Atelier von Evgenij Kozlov «Russkoee Polee» («Das Russische Feld»), 1989 - 1991

St. Petersburg, Fontanka 145
In der dritten Etage das Atelier von Evgenij Kozlov «Russkoee Polee» («Das Russische Feld»), 1989 - 1991.


photo: Hannelore Fobo, 1990

Wie hast Du Evgenij Kozlov kennengelernt?

Wir haben uns an einem 9. Mai kennengelernt. In Russland gilt der 9. Mai ja als Tag des Sieges [im 2. Weltkrieg über Deutschland, A. d Ü.], aber für mich ist dieser Tag ein Tag des Friedens, denn man kann sagen, dass Deutschland und Russland sich hier auf ganz andere Weise begegnet sind. Genauer gesagt, auch wenn das pathetisch klingen mag, sind sich die Person des einen Landes und die Person des anderen Landes nicht mit der Absicht begegnet, einander zu bekämpfen, sich als wichtiger zu beweisen, sondern um das zu begreifen, was von den geistigen Eigenschaften des anderen Volkes das Fundamentalste ist, das Wertvollste, also das, was im jeweils eigenen Verständnis von der Welt nicht gegeben ist.

Was sich unterscheidet, ergänzt sich. Der Unterschied führt zum Konflikt, aber ein Konflikt kann produktiv sein, wenn wir verstehen, dass jedes Volk, genau wie jeder Mensch, seine spezifischen Aufgaben in der Welt hat. Ich sage ja nicht, dass Evgenij ein typischer Russe ist oder ich eine typische Deutsche, wenn wir das Typischsein als den statistischen Mittelwert betrachten. Was uns gegenseitig anzieht, ist nicht das Typische, über das uns die reichlich bekannten Klischees aufklären, sondern die Tiefe der Weltanschauung, die sich beim russischen Volk in einem großen Potential für das Erfassen der geistigen Welt zeigt - deswegen sind ja auch die russischen Denker in der Lage, die Religion mit der Philosophie zu verbinden. Und in Deutschland, oder passender ausgedrückt, bei einigen Deutschen, gibt es ein Verständnis für diese geistige Welt und den Wunsch und das Verlangen, sie für sich selbst und für andere zu erklären. Denn die geistige Welt – die schöpferische Welt – ernährt den Menschen nicht weniger als die materielle Welt, und ohne Schöpfertum stirbt der Mensch an geistigem Hunger. Ich habe mir eine ausgesprochen interessante und wichtige Aufgabe gestellt, nämlich zu verstehen, auf welche Weise der schöpferische Prozess abläuft. Und angesichts der Tatsache, dass Evgenij und ich nun schon zwanzig Jahre zusammen sind, bin ich dabei, mich allmählich der Antwort auf diese Frage zu nähern.

Unsere erste Begegnung 1990 in Leningrad fand in Evgenijs Atelier «Russkoee Polee» an der Fontanka 145 statt. Dieses Atelier hatte er von 1989 bis 1991. Es befand sich in einem der großen Wohnhäuser, welche in der Zeit vor der Revolution gebaut worden waren. Das bekannte Lied «Russkoe Pole / Das russische Feld», auf das der Name anspielt, ist der russischen Erde und Seele gewidmet. Evgenij wollte einen klangvollen und gleichzeitig intelligenten Namen für sein Atelier, und in der Fassung RusskoE-E Pol-E-E erhält er einen deutlich neuen Charakter. «Е-Е» war Evgenijs Künstlername in den achtziger Jahren. Ausgesprochen wird diese Buchstabenkombination «Yeah – Yeah», und dieses «Yeah – Yeah» drückt eine neue Empfindung aus, einen frischen, optimistischen, schwungvollen und dabei tiefgründigen Impuls. Dazu kommt noch etwas anderes – die Anzahl der Buchstaben in «Russkoee Polee», nämlich genau 13. «Evgenij Kozlov» besteht ebenfalls aus 13 Buchstaben, genau wie «Hannelore Fobo». Die Dreizehn ist ja wirklich eine ausgesprochen interessante Zahl, und man könnte dieses magische Spiel beliebig fortsetzen und noch eine ganze Anzahl von Namen und Orten mit der Dreizehn aufzählen, die mit Evgenij zu tun haben, zum Beispiel «Советский Союз» (Sovetskij Sojus - Sowjetunion) oder «Новый Петергоф» (Novyj Petergof / Petrodvorets), wo Evgenij lebte, bevor er an die Fontanka zog. Ich werde das aber später einmal tun, denn Evgenij hat sich mit diesem Rätsel noch nicht eingehender befasst. Dass das Thema immer noch nicht abgeschlossen ist, sieht man daran, dass der jüngste Zyklus seiner Grafiken «Судьба красоты» (Sud’ba krasoty – Das Schicksal der Schönheit) heißt. Die Fakten liegen sozusagen auf dem Tisch, aber ihr Sinn bleibt uns verschlossen.

«Russkoee Polee», Schlafzimmertür

«Russkoee Polee», Schlafzimmertür

photo: Evgenij Kozlov, 1989


Evgenij Kozlovs legendäres Atelier RUSSKOEE POLEE / Das Russische Feld befand sich in der Wohnung Nr. 31 in der dritten Etage des Eckhauses an der Fontanka 145 (bzw. am Fontakaufer 145). In der zweiten lebten Yuris Lesnik, Regisseur und Kameraman des berühmten «Piratenfernsehens», und der Künstler Ivan Movsesian, der die erste und zweite Ausstellung auf der Schlossbrücke in den Jahren 1990 und 1991 organisierte. Zu ihnen stieß Georgy Gurianov, und so entstand der bekannte Boy-Club. Im Gebäude rechts daneben, das aus merkwürdigen Gründen ebenfalls die Nummer 145 trägt, war im zweiten Stock links der einschlägig bekannte «Tanzpol» von Aleksey und Andrey Khaas, der erste private Techno-Club Russlands. In der gegenüberliegenden Wohnung hat dann Georgy Gurianov sein eigenes Atelier eingerichtet. Im Rückgebäude dieses Hauses befand sich Aleksandr Nikolaev, besser bekannt als «Zakhar», mit seinem Studio. Und im ersten Sock rechts hatten die «Depressionisten» Oleg Kuptsov, Viktor Snesar und Gera Malyshev ihr Atelier, die dann im fünften Stock des Eckhauses ihre Galerie eröffneten. Viktor Snesar ist dort später eingezogen. Zeitweise befand sich dort auch das Fotostudio von Eduard Stranadko, Viktors Freund. Das war in etwa die Situation, als ich Evgenij Kozlov kennenlernte. Mehrere Jahre lang war die Fontanka 145 ein außergewöhnlicher Sammelpunkt der Leningrader / St. Petersburger Avantgarde, und auf diese Weise ging der Ort in die Geschichte der russischen Kunst ein.

1990 konnte ich zum ersten Mal selbst einen längeren Aufenthaltes in der damaligen Sowjetunion organisieren: ich hatte mir zum Ziel gesetzt, mich mit Künstlern und ihrer Kunst bekannt zu machen. Und als ich Evgenijs Atelier betrat, war mir sofort klar, dass ich hier Kunst in der eigentlichen Bedeutung dieses Begriffes sah. Ich trat gewissermaßen durch die Tür in eine andere, geistige Welt - in die Welt der schöpferischen Kräfte.

Wer hat dich in Evgenijs Atelier gebracht?

Damals fand in Leningrad eine Ausstellung des österreichischen Aktionskünstlers, Musikers und Regisseurs Wolfgang Flatz statt, der bereits mehrmals an der Dokumenta teilgenommen hatte. Einige Tage vor meiner Ankunft in Leningrad hatte er gemeinsam mit Evgenij eine Kunstaktion durchgeführt, die vom ZDF für eine Reportage über die Ausstellung gefilmt wurde. Da die Kunstaktion in Evgenijs Atelier stattfand, existiert noch eine Serie von Fotografien, die den weiteren Verlauf der Aktion zeigt. Sie setzte sich als«Body-art» fort, indem Wolfgang Flatz nackt auf dem Boden liegend seinen eigenen Körper als Kunstwerk zu Verfügung stellte. Von der hervorragenden Stimmung während der diversen künstlerischen Begegnungen erhält man eine Vorstellung, wenn man die Fotografien von der Eröffnung der Ausstellung anschaut: auf ihnen sind lange Reihen von Champagnerflaschen zu sehen. Diese Ausstellung habe ich besucht, und dort hat mich Rinad Akhmechine angesprochen, der damals Evgenijs Manager war. Er hat mich ins «Russische Feld» geführt.

Wolfgang Flatz, Evgenij Kozlov im Atelier E. Kozlovs «Russkoee Polee» («Das Russische Feld»), Fontanka 145, 1990

Wolfgang Flatz, Evgenij Kozlov im Atelier E. Kozlovs «Russkoee Polee» («Das Russische Feld»), Fontanka 145, 1990


Welchen Eindruck machte Evgenij auf dich?

Ich kann den Eindruck, den Evgenij auf mich machte, nicht davon trennen, wie seine Bilder auf mich wirkten. Evgenij und seine Kunst gehören für mich zusammen. Sowohl die Bilder unterschieden sich von allen anderen als auch er selbst, und zwar aufgrund einer gewissen inneren Verfasstheit. Ich hatte ganz und gar nicht erwartet, einem Menschen zu begegnen, von dem etwas Aristokratisches ausging. Das lässt sich allerdings schwer an einer konkreten Verhaltensweise festmachen, etwa an der Aufmerksamkeit, die er den Menschen entgegenbrachte oder an der Konzentration auf die Dinge, mit denen er sich beschäftigte. Von seinen Bildern gingen starke Strömungen aus, und es war wohl so, dass dies bei ihrem Schöpfer ein großes Maß an Beherrschung der inneren Kräfte voraussetzte. Für ihn stand damals wie heute an erster Stelle die Kunst als solche und nicht das ganze Drumherum des Kunstbetriebs, von dem sich die Welt so gerne unterhalten lässt. Deshalb grenzte er die vielen Besuche seines Ateliers durch Gäste und Partygänger ein und reservierte bestimmte Zeiten ausschließlich für seine Kunst. Dann blieb die Tür seines Ateliers geschlossen, und es klebte ein Zettel dran mit dem Vermerk, dass man erst ab 12.00 Uhr klingeln solle. 12.00 Uhr nachts, versteht sich. Für mich machte er eine Ausnahme.

Man muss wissen, dass zu ihm nicht nur die Künstler aus seinem engeren Kreis kamen wie Oleg Kotelnikov, Ivan Sotnikov, Inal Savchenkov, Vladislav Mamyshev, Timur Novikov, die beiden «New Composers» Igor Verichev und Valery Alakhov, weiter Sergey Saytsev, Aleksandr Nikolaev und seine Freunde Andrey Fitenko und Viktor Labutov, sondern dass westliche Galeristen, Kuratoren oder Fernsehleute bei ihm ein und aus gingen. Vor kurzem habe ich mir wieder zwei Filmberichte von 1990 angeschaut, die vom deutschen Fernsehen über die Leningrader Kunstszene für die Sendung «Aspekte» gedreht wurden. Der eine zeigt die bereits erwähnte Kunstaktion mit Flatz, und der andere stellt die Bilder in Evgenijs Atelier vor.

Es stimmt jedoch, dass die westlichen Medienvertreter mit Vorliebe das rezipierten, was sowjetische Symbolik zeigte, denn in der Kunst lässt sich alles, was man als politische Zeichen interpretieren kann, wesentlich einfacher vermarkten. Und so beschäftigten sich die Journalisten besonders gerne mit Evgenijs Portrait von «Lenin mit roten Augen», obwohl für den Künstler selbst die Entwicklung dieser Symbolik eine ausgesprochen kurze Phase in seinem Schaffen war – sie beschränkte sich auf das Jahr 1990. Damals beschloss er, den Punkt aufs i zu setzen, indem er das Wesen dieser historischen Person bestimmte, um sie dann ein für allemal ad acta zu legen. Unter den Arbeiten aus dieser Zeit befindet sich ein Diptych mit zwei Portraits von V. I. Lenin: «Lenin in Leningrad» und «Lenin in New York». Es wäre ausgesprochen interessant, die beiden mit Andy Warhols «Lenin» zu vergleichen. Jedenfalls erhalten wir ein falsches Bild, wenn wir diese Zeit nur durch den Filter der westlichen Presse betrachten. Wie für andere Leningrader Künstler stand für Evgenij nicht die Politik im Vordergrund, sondern das Empfindenkönnen der Freiheit in der Kunst. Es war eine ganz und gar außergewöhnliche Zeit – eine fantastische Übergangszeit, in der die alten Einschränkungen der sowjetischen Zeit keine Geltung mehr hatten und die neuen der kapitalistischen noch nicht wirksam waren. Im Rückblick mag sich dieses Gefühl der unbeschränkten, nach allen Richtungen offenen Handlungsmöglichkeiten als illusionär herausgestellt haben. Damals jedoch war es real vorhanden.



Hat sich Evgenij nur mit seiner eigenen Kunst beschäftigt oder war er auch gesellschaftlich engagiert?

Vladislav Mamyshev in der Rolle der Marylin Monroe im «Russischen Feld» , Atelier Evgenij Kozlov. Links im Bild das Gemälde von E. Kozlov «Die Stärke und Energie der Männer» von 1991.
															Szene aus dem Video-Clip von Andrius Venclova «Der Tod von Marylin Monroe»,   1991

Vladislav Mamyshev in der Rolle der Marylin Monroe im «Russischen Feld» , Atelier Evgenij Kozlov. Links im Bild das Gemälde von E. Kozlov «Die Stärke und Energie der Männer» von 1991.

Szene aus dem Video-Clip von Andrius Venclova «Der Tod von Marylin Monroe», 1991
Evgenij hat immer der Meinung vertreten, dass die Kunst für ihn kein Selbstzweck ist, sondern dass er mit ihr der Welt etwas geben will, und ich hoffe, dass das für die anderen Künstler auch so ist. Deshalb hat seine Kunst von Anfang einen «gesellschaftlichen» Aspekt, allerdings nicht auf den Inhalt bezogen, sondern auf die Wirkung. Das war auch der Grund dafür, dass er andere Künstler dabei unterstützte, ihre eigene Kunst zu entwickeln. Ich will ein konkretes Beispiel geben. Als er mich Anfang 1991 zum ersten Mal in Berlin besuchte, gab er den Schlüssel seines Ateliers «Russkoee Polee» dem jungen und seiner Meinung nach einzigartig begabten Künstler Vladislav Mamyshev, damals noch Mamyshev-Monro. Vladislav lud den ebenso jungen und begabten Regisseur Andrius Ventslova ins Atelier ein, und gemeinsam nahmen sie den genialen Video-Clip «Der Tod von Monroe» auf, eine der ersten Arbeiten russischer Videoart überhaupt. Im «Tod von Monroe» sehen wir Mamyshev in einem der Zimmer des Ateliers mit Bildern von Evgenij sowie seinem eigenen Bild aus Evgenijs Sammlung «2 x 3 m». Der Film zeigt auch, dass andere Bilder aus der Sammlung als Requisiten dienten, als Monro, der am Telefon mit dem amerikanischen Präsidenten Kennedy spricht, sich auf sie fallen lässt. Gewissermaßen ging hier die Unterstützung Evgenijs über seine Absichten hinaus.

Ich will an dieser Stelle ausführlicher auf die Sammlung «2 x 3m» eingehen. Meiner Meinung nach ist es im Sinne der Frage sogar wichtiger, dass Evgenij sich bemüht hat, den Künstlern mithilfe des Formates der Sammlung «2 x 3m» die Möglichkeit für neue Ausdrucksformen zu bieten. Weil er selbst im «Russischen Feld» über reichlich Platz verfügte, schlug er eines Tages Oleg Kotelnikov vor, ein Bild auf eine Leinwand der Größe 2 x 3m Meter zu malen, welche auf dem Boden ausgerollt war. Oleg wollte zunächst nicht die gesamte Leinwand nutzen und beschränkte sich auf die untere Hälfte, die er in drei unterschiedlich große, mit hellen Farben abgeteilte Bereiche aufteilte. In diese setzte er verschiedene Symbole: Vögel, eine Apfelsine, ein Quadrat, einen Punkt. Einige Tage später vervollständigte er die obere Hälfte der Leinwand mit der kräftig schwarz konturierten Figur eines Kindes in Erinnerung an den kurz zuvor verstorbenen Keith Haring. Das Bild nannte er «Stillleben bei +90º». Es hatte eine ausgesprochen grafische, klare und konzentrierte, eine meditative Wirkung. Ich glaube, dass es zu jenem Zeitpunkt das größte Bild war, das Oleg je gemalt hatte (und vielleicht ist es das bis heute). Evgenij hatte damals bereits für den Zyklus «Die neue Klassik» sechs Bilder in diesem Format gemalt, und er wusste, dass das große Format den Künstler zu besonderen Ergebnissen führt. Dank dieses Formates eröffnen sich der Kunst in Bezug auf den kompositorischen Aufbau Möglichkeiten, die man bei den damals üblichen kleinformatigen Werken nicht in gleichem Maße hatte. Großformatige Bilder entstanden in jener Zeit allenfalls während gemeinsamer Happenings und ähnlichen Ereignissen.


Еvgenij Kozlov vor der Ausstellung «2 х 3m» auf der Petersburger Schlossbrücke  in der Nacht vom 22. zum 23. Juli 1990

Еvgenij Kozlov vor der Ausstellung «2 х 3m» auf der Petersburger Schlossbrücke in der Nacht vom 22. zum 23. Juli 1990

photo: Hannelore Fobo, 1990



 Evgenij Kozlov und Timur Novikov mit T. Novikovs Bild aus der Sammlung «2 х 3m». «Russkoee Polee 2», Berlin, 1996

Evgenij Kozlov und Timur Novikov mit T. Novikovs Bild aus der Sammlung «2 х 3m».
«Russkoee Polee 2», Berlin, 1996

photo: Hannelore Fobo, 1996

Die Ausstellung «2 х 3m» auf der Schlossbrücke, Leningrad / St. Petersburg in der Nacht vom 22. zum 23. Juli 1990

Von links nach rechts: Aleksandr Nikolaev, Dmitry Egorov, Vladislav Mamyshev, Elena Bogdanova, Еvgenij Kozlov, Тimur Novikov, Unbekannter, Ivan Movsesian, Andrey Medvedev

Von links nach rechts: Aleksandr Nikolaev, Dmitry Egorov, Vladislav Mamyshev, Elena Bogdanova, Еvgenij Kozlov, Тimur Novikov, Unbekannter, Ivan Movsesian, Andrey Medvedev

photo: Hannelore Fobo, 1990

In der Mitte, von links nach rechts: Stas Lipkin, Igor Borisov, Denis Egelsky, Аleksey Khaas, Тimur Novikov Dmitry Egorov, Elena Bogdanova, Aleksandr Nikolaev, Konstantin Mitenev (mit Kamera)

In der Mitte, von links nach rechts: Stas Lipkin, Igor Borisov, Denis Egelsky, Аleksey Khaas, Тimur Novikov Dmitry Egorov, Elena Bogdanova, Aleksandr Nikolaev, Konstantin Mitenev (mit Kamera)

photo: Hannelore Fobo, 1990

Auf diese Weise wurde «Stillleben bei +90º» der Beginn der mit Abstand ungewöhnlichsten Sammlung zeitgenössischer russischer Kunst - der Sammlung Evgenij Kozlov «2 x 3m». Evgenij wollte unbedingt, dass die begabtesten Künstler St. Petersburgs große Bilder malten, und so begann er, sie zu sich einzuladen, stellte ihnen Leinwand und Farbe zu Verfügung. Von Anfang an schwebte ihm vor, diese Idee in großem Maßstab zu verwirklichen. Als ich ihn kennenlernte, befanden sich in seiner Sammlung bereits außer Oleg Kotelnikovs Bild zwei Gemälde von Ivan Sotnikov: «Weihnachtliches Lächeln» und «Das Lächeln der Mona Lisa». Im Laufe weniger Wochen kamen Werke von Vladislav Mamyshev, Vladislav Gutsevich, Elena Bogdanova (NIKA) und Vladislav Mogilevsky dazu. Dann wurde die erste Ausstellung der Sammlung organisiert, die berühmte Ausstellung auf der Schlossbrücke in der Nacht vom 22. zum 23. Juli 1990. Ivan Movsesian erarbeitete in seinem Atelier an der Fontanka den Plan für die Hängung, und zwar als riesige Gesamtkomposition, und im Atelier nagelte er die Bilder in der entsprechenden Reihenfolge zusammen. Die Künstler wickelten diese dann zu drei separaten Rollen auf, um sie für die «Hängung» auf der Schlossbrücke schnellstmöglich an den Seitengeländern befestigen zu können, denn dafür stand nur ganz wenig Zeit zur Verfügung, praktisch nur die wenigen Minuten, während derer die Polizei den Autoverkehr stoppte, bevor die Brücken hochgezogen wurden.

Yuris Lesnik filmte mit seiner Videokamera die gesamte Kunstaktion von Anfang bis Ende. An der Aktion haben sich auch andere Künstler mit ihren Bildern beteiligt, Platz gab es auf der Schlossbrücke ja genug. Den wesentlichen Teil der Ausstellung bestimmten jedoch die Bilder aus der Sammlung «2 x 3m» sowie Evgenijs Zyklus «Die neue Klassik». In der Folgezeit erweiterte sich das Konzept der Sammlung etwas, und es nahmen auch Künstler teil, die nicht aus Russland stammten. Ich selbst habe übrigens auch meinen Beitrag zu Sammlung geleistet, aber mein Bild war noch nicht trocken, als die Ausstellung auf der Schlossbrücke stattfand. Daher wurde es gemeinsam mit den anderen ein Jahr später gezeigt, bei der großen Ausstellung Petersburger Kunst und Kultur «Les Allumées», 1991 in Nantes. Dort stellte ich unter dem Titel «ART-IN-GRAD» auch meine Fotografien von der Ausstellung auf der Schlossbrücke sowie meine Fotoserie «Gäste im Russischen Feld» aus.

Als wir im Jahre 1994 in Berlin-Mitte in einer alten Fabrik das «Russkoee Polee 2» eröffneten, wuchs die Sammlung weiter. Bei der vierten Ausstellung im Dezember 1995 wurden 23 Werke präsentiert. Diese Ausstellung fand im großen Saal des «Russischen Feldes» statt, und anlässlich der Eröffnung der Ausstellung luden wir mit Gratisflügen der Luftfahrtgesellschaft British Airways Künstler und Journalisten aus St. Petersburg und Moskau ein. Oleg Kotelnikov war dabei, es kamen Viktor Kuznetsov und Oleg Maslov, die direkt vor Ort ihr «2 x 3m» Bild für die Sammlung malten, aus Moskau kamen Igor Shulinsky vom Magazin Ptuch und Sergey Shutov, aber auch verschiedene Kuratoren und Kunstwissenschaftler. Ivetta Pomerantseva filmte die Veranstaltung.
Ausstellung der Sammlung «2 х 3m» im Rahmen des Festivals «Les Allumées» Nantes, Frankreich, 1991 links: Ivan Sotnikov, «Weihnachtliches Lächeln» rechts: Oleg Kotelnikov, «Stilleben bei +90°»

Ausstellung der Sammlung «2 х 3m» im Rahmen des Festivals «Les Allumées» Nantes, Frankreich, 1991
links: Ivan Sotnikov, «Weihnachtliches Lächeln»
rechts: Oleg Kotelnikov, «Stilleben bei +90°»

photo: Hannelore Fobo, 1991


Die Sammlung Evgenij Kozlov «2 х 3m»: Oleg Kulik «Political Animal No 1», 1996

Die Sammlung Evgenij Kozlov «2 х 3m»
Oleg Kulik «Political Animal No 1», 1996

Viktor Kuznetsov (links) und Oleg Maslov (rechts) mit ihrem Bild aus der Sammlung «2 х 3м», im «Russischen Feld 2», Berlin, 1995»

Viktor Kuznetsov (links) und Oleg Maslov (rechts) mit ihrem Bild aus der Sammlung «2 х 3м», im «Russischen Feld 2», Berlin, 1995

photo: Hannelore Fobo, 1995


Die Sammlung Evgenij Kozlov «2 х 3m»<br>
															Vladislav Mamyshev «Das ist keine Liebe», 1990, im «Russkoee Polee», Atelier E. Коzlov, Leningrad / St. Petersburg

Die Sammlung Evgenij Kozlov «2 х 3m»
Vladislav Mamyshev «Das ist keine Liebe», 1990, im «Russkoee Polee», Atelier E. Коzlov, Leningrad / St. Petersburg

photo: Hannelore Fobo, 1990

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt umfasst die Sammlung «2 x 3m» 50 Arbeiten. Praktisch alle Petersburger Kunstströmungen der achtziger und neunziger Jahre sind in ihr vertreten. Es folgt eine Aufzählung: Babi Badalov, Elena Bogdanova, Vita Buivid, Sergei Enkov, Olga Florenskaya, Aleksander Florensky, Vladislav Gutsevich, Boris Kazakov, Andrei Khlobystin, Stas Klevak, Anastasia Kojoukhova/Timur Novikov/Vladimir Wiedemann, Bob Koshelokhov, Oleg Kotelnikov, Vladimir Kustov, Andrej Kuznetsov, Viktor Kuznetsov / Oleg Maslov, Kirill Miller, Konstantin Mitenev, Vyacheslav Mogilevsky (zwei Bilder), Valery Morozov, Ivan Movsesian, Timur Novikov, Vadim Ovchinnikov, German Pavlov, Natalia Pershina-Yakimanskaya (Gluklya), Igor Ryatov, Frants Rodvalt, Andrei Rudev, Vadim Sadovnikov, Vladislav Saitsev, Inal Savchenkov, Vladimir Shinkarev, Igor Smirnov, Sergei Sokolov, Ivan Sotnikov (zwei Bilder), Grigory Strelnikov, Viktoria Ukhalova, Irina Vasilieva, Nikolaj Veinert, Andrius Venclova, Evgeny Yufit, Oleg Zaika. Darüber hinaus ist der Moskauer Konzeptualismus mit einer Arbeit von Oleg Kulik repräsentiert. Von den «nicht in Russland lebenden» Künstlern und Künstlerinnen gibt es abgesehen von meinem Gemälde zwei Werke von Aftandil Leladze aus Aserbaidscha?? e??es von Wolfgang Luthe aus Deutschland und sowie ein Gemälde des Franzosen Vincent Legos.

Leider haben wir auch bedauerliche Verluste zu beklagen. Hauptsächlich ereigneten sie sich in der Zeit, als Evgenij hierher nach Berlin zog und die Sammlung vorübergehend an verschiedenen Orten in St. Peterburg untergebracht war. Zu den Verlusten zählen beide Gemälde von Vladislav Mamyshev, die damals ohne Wissen und Einverständnis Evgenijs verkauft wurden an andere Sammler verkauft wurden. Aber Vladislav ist, wie sich Evgenij ausdrückt, ein toller Kerl: am 2. 4. 2010 hat er versprochen, dass er, sobald er die Möglichkeit hat, sofort zwei neue Werke desselben Formats der Sammlung übergibt. Zur Geschichte der Verluste könnte man einiges erzählen, ich beschränke mich hier auf die Aufzählung der Künstler: Aleksey Khaas, Georgy Gurianov, Vladislav Mamyshev, Bella Matveeva, Aleksandr Nikolaev (Zakhar), Andrey Gamayun, Viktor Tuzov, Gleb Bogomolov, Yulia Strauss.

Wir wünschen uns, dass diese Sammlung zeitgenössischer russischer Kunst weiter wächst, vor allem mit Künstlern und Künstlerinnen aus St. Petersburg (und Moskau). Der Grundsatz der Sammlung ist, dass das Format der Arbeiten nicht kleiner sein darf als 2 x 3m, aber größer darf es durchaus sein. Derzeit ist die Arbeit mit dem größten Format «Drei Schönheiten» von Bob Koshelokhov mit einer Höhe von 3,20 m und einer Länge von 5,40 m. Er malte sie auf ein synthetisches Material, aus dem Feuerwehrschläuche hergestellt werden. Im Idealfall soll die Sammlung den Grundstock für ein Museum zeitgenössischer russischer Kunst in Berlin oder London, Paris oder New York bilden. Auch andere Orte kämen in Frage, vorausgesetzt, sie können dieses Projekt finanzieren.


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Fontanka 145, Yuris Lesnik, Oleg Kuptsov, Viktor Snesar, Gera Malyshev, «Tanzpol» Aleksey Khaas, Andrey Khaas, Viktor Snesar, Eduard Stranadko, Wolfgang Flatz, Rinad Akhmechine, Aspekte, ZDF, Igor Shulinsky vom Magazin Ptuch und Sergey Shutov, Ivetta Pomerantseva, Babi Badalov, Elena Bogdanova, Vita Buivid, Sergei Enkov, Olga Florenskaya, Aleksander Florensky, Vladislav Gutsevich, Boris Kazakov, Andrei Khlobystin, Stas Klevak, Anastasia Kojoukhova/Timur Novikov/Vladimir Wiedemann, Bob Koshelokhov, Oleg Kotelnikov, Vladimir Kustov, Andrej Kuznetsov, Viktor Kuznetsov / Oleg Maslov, Kirill Miller, Konstantin Mitenev, Vyacheslav Mogilevsky, Valery Morozov, Ivan Movsesian, Timur Novikov, Vadim Ovchinnikov, German Pavlov, Natalia Pershina-Yakimanskaya (Gluklya), Igor Ryatov, Frants Rodvalt, Andrei Rudev, Vadim Sadovnikov, Vladislav Saitsev, Inal Savchenkov, Vladimir Shinkarev, Igor Smirnov, Sergei Sokolov, Ivan Sotnikov, Grigory Strelnikov, Viktoria Ukhalova, Irina Vasilieva, Nikolaj Veinert, Andrius Venclova, Evgeny Yufit, Oleg Zaika, Oleg Kulik, Aftandil Leladze, Wolfgang Luthe, Vincent Legos, Aleksey Khaas, Georgy Gurianov, Vladislav Mamyshev, Bella Matveeva, Aleksandr Nikolaev (Zakhar), Andrey Gamayun, Viktor Tuzov, Gleb Bogomolov, Yulia Strauss, russische Kunst