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(E-E) EVGENIJ KOZLOV "Die Sammlung 2x3m"

Kuratorin: Hannelore Fobo

Text und Dokumentation: Hannelore Fobo, April 2019

1. Das Konzept der „Sammlung 2x3m“
2. Der Beginn der „Sammlung 2x3m“
3. (E-E) Evgenij Kozlov „Der Große Le-ye-nin”
4. Die Ausstellungen
5. Die Berliner Jahre
6. „Die Sammlung 2x3m“ aus heutiger Sicht
7. (E-E) Evgenij Kozlov – Kurzbiographie
8. Die Bilder der „Sammlung 2x3m“

English summary >>





Der Beginn der „Sammlung 2x3m“

1989 bezog (E-E) Evgenij Kozlov sein Atelier „Das Russische Feld“ im legendären Künstlerhaus an der Fontanka 145 im Herzen Leningrads, das sich rasch zu einem Treffpunkt für in- und ausländische Künstler, Museumskuratoren, Galeristen und Journalisten etablierte. So führte der österreichische Aktionskünstler Wolfgang Flatz dort im Frühjahr 1990 gemeinsam mit Kozlov eine Kunstaktion durch, die vom ZDF für die Sendung „Aspekte“ aufgezeichnet wurde. mehr >>


Der Münchner Aktionskünstler Wolfgang Flatz und (E-E) Evgenij Kozlov während einer Kunstaktion in Kozlovs Leningrader Studio RUSSKOEE POLEE / Das Russische Feld, Mai 1990. Standbilder aus Wolfram Cornelissens Dokumentation für Aspekte, ZDF, 1990 Der Münchner Aktionskünstler Wolfgang Flatz und (E-E) Evgenij Kozlov während einer Kunstaktion in Kozlovs Leningrader Studio RUSSKOEE POLEE / Das Russische Feld, Mai 1990. Standbilder aus Wolfram Cornelissens Dokumentation für Aspekte, ZDF, 1990
Der Münchner Aktionskünstler Wolfgang Flatz und (E-E) Evgenij Kozlov während einer Kunstaktion in Kozlovs Leningrader Studio RUSSKOEE POLEE / Das Russische Feld, Mai 1990. Standbilder aus Wolfram Cornelissens Dokumentation für Aspekte, ZDF, 1990 Der Münchner Aktionskünstler Wolfgang Flatz und (E-E) Evgenij Kozlov während einer Kunstaktion in Kozlovs Leningrader Studio RUSSKOEE POLEE / Das Russische Feld, Mai 1990. Standbilder aus Wolfram Cornelissens Dokumentation für Aspekte, ZDF, 1990
Der Münchner Aktionskünstler Wolfgang Flatz und (E-E) Evgenij Kozlov während einer Kunstaktion in Kozlovs Leningrader Studio RUSSKOEE POLEE / Das Russische Feld, Mai 1990. Standbilder aus Wolfram Cornelissens Dokumentation für Aspekte, ZDF, 1990 Plakat der Ausstellung von Wolfgang Flatz ПРОЕКТ ЛЕНИНГРАД / UNTERNEHMEN LENINGRAD im Palast der Jugend, Leningrad, 28 April bis 31 Mai 1990
Der Münchner Aktionskünstler Wolfgang Flatz und (E-E) Evgenij Kozlov während einer Kunstaktion in Kozlovs Leningrader Studio RUSSKOEE POLEE / Das Russische Feld, Mai 1990. Standbilder aus Wolfram Cornelissens Dokumentation für Aspekte, ZDF, 1990. mehr >>
Das Plakat ist signiert mit einer Widmung FÜR EVGENIJ AM BEGINN EINER RUSSISCH-DEUTSCHEN FREUNDSCHAFT. ICH VERGESSE NICHT. LNEINGRAD Flatz 90. Die Performance bezog sich auf das Motiv des Plakates für die Ausstellung von Wolfgang Flatz ПРОЕКТ ЛЕНИНГРАД / UNTERNEHMEN LENINGRAD im Palast der Jugend, Leningrad, 28 April bis 31 Mai 1990

Das Plakat ist signiert mit einer Widmung FÜR EVGENIJ AM BEGINN EINER RUSSISCH-DEUTSCHEN FREUNDSCHAFT. ICH VERGESSE NICHT. LNEINGRAD Flatz 90.
Das Plakat ist signiert mit einer Widmung
FÜR EVGENIJ AM BEGINN EINER RUSSISCH-DEUTSCHEN FREUNDSCHAFT. ICH VERGESSE NICHT.
LNEINGRAD Flatz 90.


Im selben Haus öffneten 1990 Alexei Haas und seine Mitstreiter Russlands ersten Technoclub „Tanzpol“ als privaten Club mehr >>. Für ihre Rave-Partys stellten Künstler der „Fontanka 145“, aber auch die „Schule der Ingenieure der Kunst“ und „Neoakademisten“ ihre Bilder zur Verfügung. Die Kunstszene und die Musikszene der Stadt blieben bis in die 1990er Jahre hinein eng miteinander verbunden.

Künstlerhaus an der Fontanka 145, Leningrad, 1990. Der Pfeil zeigt auf (E-E) Evgenij Kozlovs Atelier RUSSKOEE POLEE / Das Russische Feld. Foto: Hannelore Fobo

Künstlerhaus an der Fontanka 145, Leningrad, 1990. Der Pfeil zeigt auf (E-E) Evgenij Kozlovs Atelier RUSSKOEE POLEE / Das Russische Feld. Foto: Hannelore Fobo

Für die  „Sammlung 2x3m“ lud Kozlov die Künstler einzeln ins „Russische Feld“ ein und stellte ihnen Leinwand im Format von zwei mal drei Metern und Farbe zur Verfügung. Als ich ihn im Mai 1990 kennenlernte, war Elena Bogdanova sein Gast und dabei, ihr Bild „Sonnenfleck“ fertigzustellen. Es war das fünfte der „Sammlung 2x3m“, nach Oleg Kotelnikovs und Ivan Sotnikovs Bildern sowie den beiden von Vladislav Mamyshev-Monroe. Übrigens waren Kotelnikovs und Sotnikovs Gemälde Hochformate, also „3x2m“ groß. Für den Namen der Sammlung spielt Hoch- oder Querformat keine Rolle, wenn auch die Querformate überwiegen.

RUSSKOEE POLEE / Das Russische Feld, Atelier (E-E) Evgenij Kozlov, Leningrad, Mai 1990. Die Künstlerin Elena Bogdanova (Nika) malt ihr Bild „Sonnenfleck" für die „Sammlung 2x3m“. An der Wand die bereits fertiggestellten Bilder der Sammlung. Das linke stammt von Oleg Kotelnikov, das rechte von Ivan Sotnikov. Im Hintergrund der Künstler und Sammler (E-E) Evgenij Kozlov. Foto: Hannelore Fobo, 9. Mai 1990

RUSSKOEE POLEE / Das Russische Feld, Atelier (E-E) Evgenij Kozlov, Leningrad, Mai 1990. Die Künstlerin Elena Bogdanova (Nika) malt ihr Bild „Sonnenfleck" für die „Sammlung 2x3m“. An der Wand die bereits fertiggestellten Bilder der Sammlung. Das linke stammt von Oleg Kotelnikov, das rechte von Ivan Sotnikov. Im Hintergrund der Künstler und Sammler (E-E) Evgenij Kozlov. Foto: Hannelore Fobo, 9. Mai 1990

Die materielle Seite war jedoch nur die notwendige Voraussetzung für solch ein außerordentliches Vorhaben. Kozlov war in der Leningrader Kunstszene verwurzelt, genoss ihr Vertrauen und hatte sich als Künstler Ansehen erworben. Bewusst traf er die Entscheidung, einen Teil seiner Zeit nicht seiner eigenen Kunst zu widmen, sondern seinen Gästen: in langen Gespräch über ihre Kunst und darüber, wie sie ihre Vorstellungen im großen Format künstlerisch umsetzen wollten.

Bei Entstehung der „Sammlung 2x3m“  treffen somit drei Faktoren aufeinander: der Mikrokosmos der Leningrader Kunstszene, das Charisma eines ihrer Protagonisten, der für die russische Kunst eine grandiose Vision hatte, und die Spätphase der Perestroika, in der die alten Einschränkungen der sowjetischen Zeit keine Geltung mehr hatten und die neuen der kapitalistischen noch nicht wirksam waren. Es waren fantastische Jahre des Übergangs: Künstlerische Initiativen entfalteten sich ungehindert in leerstehenden Häusern, die nicht sofort vermarktet wurden.

Diese Konstellation ist unwiederholbar. Damit geht einher, dass die Petersburger Kunstszene heute fragmentiert ist.

Anders als in den achtziger und neunziger Jahren gibt es nicht die großen Persönlichkeiten in Musik und Kunst wie Kuryokhin, Tsoy, Novikov, Guryanov, Yufit, Mamyshev-Monroe, Haas oder Kozlov selbst, die sich gegenseitig unterstützten und anderen jenes Gefühl der unbeschränkten, nach allen Richtungen offenen Handlungsmöglichkeiten vermittelten, das zu gemeinsamen, spektakulären Vorhaben beflügelt.

Doch nicht nur die Zeiten haben sich geändert. Viele dieser Künstler und Musiker sind früh aus dem Leben geschieden – von den acht eben genannten alle bis auf Haas und Kozlov.

RUSSKOEE POLEE / Das Russische Feld, Atelier (E-E) Evgenij Kozlov, Leningrad, Mai 1990. Vladislav Mamyshev-Monroe malt sein zweites Bild für Kozlovs „Sammlung 2x3m“ – „Das ist nicht Liebe. Der deutschen Vereinigung gewidmet“. Im Hintergrund hängt vertikal sein erstes Bild für die „Sammlung 2x3m“ – "Hat sie sich vergiftet? Nein, sie haben sie zu Tode gehetzt“. Standbild aus Wolfram Cornelissens Dokumentation für Aspekte, ZDF, 1990

RUSSKOEE POLEE / Das Russische Feld, Atelier (E-E) Evgenij Kozlov, Leningrad, Mai 1990. Vladislav Mamyshev-Monroe malt sein zweites Bild für Kozlovs „Sammlung 2x3m“ – „Das ist nicht Liebe. Der deutschen Vereinigung gewidmet“. Im Hintergrund hängt vertikal sein erstes Bild für die „Sammlung 2x3m“ – "Hat sie sich vergiftet? Nein, sie haben sie zu Tode gehetzt“. Standbild aus Wolfram Cornelissens Dokumentation für Aspekte, ZDF, 1990 Video auf YouTube >>

Sechs dieser acht sind oder waren in der „Sammlung 2x3m“ vertreten; „waren“ deshalb, weil die Sammlung auch einige Verluste zu beklagen hat. Hauptsächlich ereigneten sie sich in der Zeit, als Kozlov nach Berlin zog und die Sammlung vorübergehend an verschiedenen Orten in Sankt Petersburg untergebracht war. Dies betrifft beispielsweise die beiden Werke von Mamyshev-Monroe – die größten, die Mamyshev je gemalt hat. Andere Werke, wie die von Guryanov und Haas, wurden zwar für die Sammlung gemalt, gingen aber nicht tatsächlich in sie ein. Somit hat die „Sammlung 2x3m“ ihre eigene Biographie: mit jedem einzelnen der Werke ist eine Geschichte verbunden. Glücklicherweise überwiegt die Anzahl der erhaltenen Bilder.

Kunstaktion auf der Sankt Petersburger Schlossbrücke in der Nacht vom 22. auf den 23. Juli 1990. Die mittlere Reihe beginnt mit einem Gemälde von Georgy Guryanov, das ursprünglich für die „Sammlung 2x3m“ bestimmt war, aber kein Teil von ihr wurde. Darunter fünf Gemälde von (E-E) Evgenij Kozlov aus dem Zyklus „Die Neue Klassik" von 1989/1990. Foto: Hannelore Fobo

Kunstaktion auf der Sankt Petersburger Schlossbrücke in der Nacht vom 22. auf den 23. Juli 1990 mehr>>. Die mittlere Reihe beginnt mit einem Gemälde von Georgy Guryanov, das ursprünglich für die „Sammlung 2x3m“ bestimmt war, aber kein Teil von ihr wurde. Darunter fünf Gemälde von (E-E) Evgenij Kozlov aus dem Zyklus „Die Neue Klassik" von 1989/1990 mehr>>. Foto: Hannelore Fobo

1. Das Konzept der „Sammlung 2x3m“
2. Der Beginn der „Sammlung 2x3m“
3. (E-E) Evgenij Kozlov „Der Große Le-ye-nin”
4. Die Ausstellungen
5. Die Berliner Jahre
6. „Die Sammlung 2x3m“ aus heutiger Sicht
7. (E-E) Evgenij Kozlov – Kurzbiographie
8. Die Bilder der „Sammlung 2x3m“




Veröffentlicht am 24. April 2019
Zuletzt geändert am 17. Mai 2019